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pop.sponsoring.blog
Tom Waits ist aus dem "Autoverkaufsgeschäft"
Wer sich etwas mit Musik in der Werbung beschäftigt hat, der weiß, dass man Tom Waits besser keine Werbedeals anbietet. Noch schlimmer ist es, wenn man versucht ein Tom-Waits-Sound-Alike zu verwenden. In diesem Fall hat man schnell die Ehre den Künstler persönlich zu treffen - allerdings vor Gericht!
Seit den 1980ern scheint Waits eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Werbung auszuüben, was jedoch nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Waits schlug bis heute alle Werbeangebote aus. Für Werbende und Werbeagenturen scheint in solchen Fällen oftmals ein "Sound-Alike" die beste Lösung, um prominente Assoziationen für wenig Geld zu verwirklichen. Dies wurde auch schon des öfters mit Tom Waits charismatischer Stimme und Songs versucht. Jedoch immer vergebens:
- 1988 verklagte Waits den Kartoffelchip-Hersteller Frito Lay auf 2,6 Mio. $ wegen unerlaubter Verwendung eines Sound-Alikes von "Step Right Up
" und gewann. - 1993 verwendete Levi's in einem Werbespot eine Coverversion von "Heartattack and Vine
" und Waits klagte wieder erfolgreich. Levi?s schaltete darauf im Billboard Magazin eine große Entschuldigungsanzeige. - 2000 wollte Audi in Spanien den "Song Innocent When You Dream
" für einen Werbespot verwenden, aber Waits lehnte ab. Danach verwendete der Automobilhersteller ein Sound-Alike und Waits klagte wieder erfolgreich. - 2005 wollten es schließlich noch mal Opel ganz genau wissen: nachdem Waits es ablehnte, für einen skandinavischen Opel-Werbespot zu singen, wurde wieder ein Sound-Alike verwendet. Waits klagte und erreichte in den letzten Tagen einen Vergleich, bei dem Opel 300.000 $ Schadensersatz zahlt, die Waits für wohltätige Zwecke spendet.
Hieraus sind, falls nicht schon geschehen, zwei Lehren zu ziehen: - Sound-Alikes sind wie ein Ferrari-Logo auf einem Fiat, nämlich peinlich
- Nicht jeder Künstler verkauft sein Image gerne an die Werbung
Alles eine Frage der Glaubwürdigkeit!
Mobile Music im Jet
Beinahe verpasst... !!! Zum Glück gibt es immer wieder nette Menschen, die mir interessante Hinweise für meine Arbeit geben. Heute wurde ich z.B. auf die Kooperation zwischen Sony Ericsson und Jamiroquai hingewiesen (siehe neue Datenbank): Nachdem sich die Handy-Marke und die Pop-Marke dank der PR-Agentur häberlein & maurer 2005 für eine langfristige und umfangreiche Kooperation gefunden haben, die unter anderem auch das Sponsoring der Europatour "Dynamite " 2005 umfasste, gibt es jetzt "Musik zum Abheben": Jamiroquai performt live - an Bord eines Jets irgendwo über Europa. Sony Ericsson baut dafür einen eigens gecharterten Jet komplett um. Die Sitze fliegen raus, machen einer Bühne Platz - und der Flieger ist "ready to rock" - für ein wirklich abgehobenes First Class Musik-Event!? Die ganze Geschichte kann man hier lesen.
Übrigens interessant, dass man nirgends im Netz eine Pressemitteilung oder vernünftige Medienberichte findet. Ich hätte es glatt übersehen, wenn da nicht doch noch die Mund-zu-Mund-Propaganda ihren Beitrag geleistet hätte. Vielleicht liegt es auch daran, dass in Deutschland nur 2 x 2 Tickets verlost werden.
Interessant sind noch folgende Zitate von Jamiroquai-Frontman Jay Kay: "Ich hatte immer Bedenken, Jamiroquai mit irgendwelchen Konsumgütern oder Marken in Verbindung zu bringen, und habe schon viele Deals ausgeschlagen. In diesem Fall denke ich jedoch, dass Jamiroquai und Sony Ericsson beide in ihrem jeweiligen Bereich erfolgreich und funky genug sind, um wirklich gut zusammenarbeiten zu können." Glaubwürdigkeit spielt auch hier eine große Rolle: "Was könnte für den Launch eines wirklich glaubwürdigen Musikgeräts besser sein als die enge Zusammenarbeit mit einem der glaubwürdigsten und international erfolgreichen Musiker", meint Stefan Streit (Vice President Marketing EMEA, Sony Ericsson).
An dieser Stelle vielen Dank an Nicole für das Feedback und den Hinweis!
Plattenlabels ohne Platten
Musiker produzieren Musik, Musik "kauft" man im Internet, Künstler werden von ihren Managern aufgebaut, Konzerte werden von Konzertveranstalter veranstaltet, Songs werden von Verlagen vermarktet und die Promotion übernehmen spezialisierte Agenturen. Was machen da noch mal die Tonträgerhersteller? Stellen sie noch Tonträger her? Die "ehemaligen" Tonträgerfirmen bemühen sich derzeit alle um eine langfristige zukünftige Daseinsberechtigung und neue ganzheitliche Vermarktungskonzepte für ihre Stars. Sponsoring und Werbekooperationen stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Wenn sich die Tonträgerfirmen vollständig transformiert haben, werden sie hoffentlich potente Anbieter von gebündelten Musik- und vor allem Künstlerangebote sein. Werbeagenturen und andere Kunden haben dann vielleicht endlich in allen betreffenden Fragen einen kompetenten Ansprechpartner, der vollständige und verbindliche Angebote formulieren kann, ohne dabei erst x andere Stakeholder konsultieren zu müssen. Diese Erweiterung der Wertschöpfungskette (in der deutschen Szene gerne das "Tim-Renner-Modell" genannt) wird auch im Interview mit Ivo Sacchi (Managing Director Universal Music Switzerland) behandelt.
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