pop.sponsoring
 

pop.sponsoring.blog

 

30 Mai 2007

Die Bilder der toten Helden

Courtney Michelle Harrison, alias Courtney Love, findet es nicht witzig, wenn man das Bild ihres verstorbenen Ehemannes, Kurt Cobain, ungefragt für Werbezwecke verwendet. Selbst wenn er dabei in der guten und toten Gesellschaft von Joe Strummer (Sänger von The Clash), Sid Vicious (Bassist der Sex Pistols) und Joey Ramone (Sänger der Ramones) zu sehen ist. Dies musste jetzt, trotz ihres Punk-Kultstatus, die Schuhmarke Dr. Martens (hierzulande nur Docs oder Doc Martens genannt) erfahren.

Eine aktuelle Werbekampagne zeigt Fotomontagen der Rockstars als Engel im Himmel mit Dr Martens Stiefeln. Der Claim lautet: "Dr. Martens. Forever"
Obwohl in England die Verwendung dieser Bilder für Werbezwecke legal ist, hat sich nun Dr. Martens offiziell bei der öffentlich protestierenden Courtney Love entschuldigt:

"Dr Martens is very sorry for any offence that has been caused by the publication of images showing dead rock icons wearing Dr. Martens boots [...]"

Ein Schuss nach hinten oder Ziel erreicht? Jedenfalls hat die Story ihren Weg in meinen Blog gefunden, auch wenn ich schon lange keine Docs mehr trage.

Foto: Dr. Martens

Labels: ,

25 Mai 2007

Branded Bands: Ergänzung

Der Blog von Wonderland hat den letzten Blogbeitrag thematisiert und auf ein weiteres Branded Band-Projekt verwiesen: Seit 2006 rockt die eigens gegründete Symantec-Rockband "RockDotRock" im 80er-Jahrestil für den Softwarehersteller.

Labels: ,

24 Mai 2007

Branded Bands: Schleichwerbung?

Die Englische Radiowelt ist in Aufruhr! Anfang Mai gelangte der Electro-Popsong "Style, Attract, Play" von Shocka featuring Honeyshot in die Britischen Airplays und kam beim Publikum auch einigermaßen gut an. Kurz darauf wurden die Radiosender durch Journalisten darüber aufgeklärt, dass es sich dabei um eine Werbekampagne von Wella für das des Haargel "Shockwaves" handelt (Claim: Style, Attract, Play). Die Sender waren von der, wie sie es nannten, Schleichwerbung entsetzt und nahmen den Song sofort aus ihren Playlisten.

Fangen wir mal von ganz vorne an. Die Geschichte dieser Band taucht nämlich schon in meinen allerersten Notizen zu meiner Dissertation über Popsponsoring auf:

Im September 2005 berichtet das Wall Street Journal über GUM, die neue Branded Entertainment Division der Werbeagentur Saatchi & Saatchi. Die Idee von GUM war es, einen neuen Werbeträger in Form einer vierköpfigen Girlgroup zu produzieren, über die die Agentur vollständig verfügen kann. Das Schlagwort dabei lautete "Human Billboard"! Man muss sich das wie eine Art Blankoscheck vorstellen: Während für Werbekooperationen mit "echten" Popstars erst lange Verhandlungen mit den verschiedensten Ansprechpartnern der undurchsichtigen Musikwirtschaft geführt werden müssen (Künstler, Management, Label, Verlag usw.), bietet GUM alles exklusiv aus einer Hand. Der Vergleich mit der menschlichen Litfass-Säule ist hierbei durchaus treffen, wenn auch nicht auf die Figuren den Sängerinnen bezogen.
Ein halbes Jahr später (März 2006) trägt die Gruppe den Namen "Honeyshot" und der britische TV-Sender Channel 4 berichtet ausführlich über das neue Werbemedium von Saatchi & Saatchi. Das Video kann man sich hier noch ansehen!
Im Mai 2007 kam die Damen erstmals voll zum Einsatz, und nun so was: die Radiosender boykottieren den neuen Wella-Song!

Hierzu gibt es wirklich viel zu sagen und grübeln, was wohl den Rahmen eines regulären Blogbeitrages sprengen würde. Hier meine wesentlichen Gedanken in aller (versuchten) Kürze:

  • Ist es nicht das immanente Prinzip der vorherrschenden Kopplung von Verkaufs-Charts und Radio-Airplays, dass Radiosender schon seit jeher zum Promotion- und Vertriebsarm der Musikwirtschaft werden ließ? Jedenfalls haben Moderatoren keine Scheu laut und deutlich zu verkünden, dass es die neue Single von Künstler XY, die ja auch gerade gespielt wird, ab nächster Woche auch im Handel gibt. Besonders beliebt ist es auch bei Radiosendern, Kinofilme mit deren Titelsongs zu promoten (z.B. Men In Black).
    Wo ist der Unterschied, ob eine Girlgroup von einem TV-Sender gecastet wird oder gleich direkt von einer Werbeagentur?
  • Wo liegen die Grenzen zwischen Branded Entertainment und Schleichwerbung?
  • Wo ist der Unterschied, wenn anderer Popstars mit Ihren Songs Werbung für Produkte machen (z.B. Jay-Z mit Brand Dropping).
  • Wo ist der Unterschied, wenn es der Soundtrack einer TV- oder Kinowerbung auch in die Charts schafft (z.B. Kate Yanai: Bacardi Feeling, Shaggy: Mr. Boombastic, Smoke City: Underwater Love, Christina Aguilera: Hello)?

Ich sage nicht, dass es hier keine Unterschiede gibt. Aber man müsste mal genau hinschauen, was heute eigentlich im Umfeld von Musik und Werbung Realität ist.

  • Wurde Musik nicht schon immer AUCH als Loss Leader für andere Produkte, wie z.B. Grammophon, CD-Player und heute unseren heiß geliebten iPod verwendet?
  • Welche Stellung hat eigentlich die Glaubwürdigkeit bei Kooperationen zwischen Musikwirtschaft und Werbung?
  • Was erwarten wir von unseren Popidolen und was erwarten wir von moderner Werbung?

Vielleicht hat es GUM etwas zu sehr auf die Spitze getrieben. Kann man eine reine Werbeband aus der Retorte züchten und dann als lebende Werbefläche an x-beliebige Kunden verpachten?

\Stream, die Branded Entertainment Division der Werbeagentur TBWA, war diesbezüglich mit der "Nivea-Band" Asher Lane und dem Song "New Days" um einiges erfolgreicher. Auch diese Band wurde 2006 eigens für Werbezwecke gegründet. Allerdings gibt es da zwei wesentliche Unterschiede: die Band wurde exklusiv für Nivea zusammengestellt und der Werbesong wurde dank der Bemühungen der Werbeagentur bereits vor dem Kampagnenstart in die Radio-Airplay-Charts gehievt. Die ganze Angelegenheit würde wesentliche authentischer und glaubwürdiger angepackt! Die Band gibt es übrigens immer noch und tourt derzeit durch Deutschland.

Wie man sieht, ist gutes Musikmarketing eine diffizilere Angelegenheit, als es so manchen auf den ersten Blick erscheinen mag.

Labels: ,

10 Mai 2007

Der "Gaier" jagt den Jägermeister

Ted Gaier, Gründer der Punk-Band "Goldene Zitronen", Komponist, Texter, Regisseur und Autor schreibt in der Zeit über die Glaubwürdigkeit von Bands (Szene-Credibility), die sich auf Kooperationen mit Marken einlassen. Sein Artikel stellt par excellence ein Exempel des Pop-Diskurses der alten Schule dar. Hier fragt man noch nach den echten Werten der Popmusik und ob sich diese dem Ausverkauf für Werbezwecke anbiedern dürfen: "[...] das Befreiende an Popkultur sei doch auch gewesen, sich eben nicht hierarchisierenden Instanzen stellen zu müssen [...]."

Aber es kann auch mal ganz ungeplant kommen: "Zum Beispiel durch die Toten Hosen. In dem Jahr, als die 10 kleine Jägermeister gesungen haben, wurden 500000 Flaschen mehr verkauft. Freiwillig, ohne, dass die je Geld dafür bekommen hätten."

Die Jägermeister Rock:Liga und ihre großer Erfolg ist dann schließlich auch das Objekt der tiefergehenden Betrachtungen eines Pop-Veterans der Hamburger Schule.

Man sieht: Popsponsoring kann durchaus ein heikles Thema sein!

07 Mai 2007

Soda Pop und Popkultur

Im Englischen sagt man für Limonade "soda pop" oder einfach nur "pop". Das John Stith Pembertons Coca-Cola, als die älteste Cola-Marke der Welt, nicht nur einen etymologischen Bezug zur Popkultur hat, zeigt jetzt ab dem 24. Mai die Eröffnungsausstellung im neuen Coca-Cola Museum in Atlanta. Dabei werden 30 Darstellungen von Coca-Cola-Flaschen des legendären Pop-Art-Künstlers Andy Warhol ausgestellt, bei denen es sich um eine Leihgabe des Andy Warhol Museums in Pittsburgh handelt.

Mit Aussagen wie: "Der Präsident weiß es, jeder weiß es, du weißt es. Mit keinem Geld der Welt kannst du dir eine bessere Coke kaufen!" war Warhol wohl einer der bedeutendsten Testimonials, die Coca-Cola je hatte. Und so witzelt Peter Schelstraete, Global Brand Director von Coca-Cola: "Andy Warhol was one of our best brand directors."

Mit dieser Markenhistorie kann sich Coca-Cola auch zukünftig glaubwürdig als Popsponsor präsentieren.

Labels: , , , ,

02 Mai 2007

Das ist glaubwürdig!

"Tief im Westen
wo die Sonne verstaubt
ist es besser
viel besser, als man glaubt."


(H. Grönemeyer)

Herbert Grönemeyer und sein Bochum. Jeder, der seine Lieder kennt, weiß, wie sehr er an seiner Heimat hängt. Dennoch sollten während der aktuellen Deutschlandtour zum neuen Album "12" zweit Konzerte in Gelsenkirchen, aber keines in Bochum stattfinden.
Jetzt ist es einem Vorstandsmitglied der Sparkasse Bochum Dank privater Kontakte gelungen, den Künstler nach den Konzerten in Gelsenkirchen auch nach Bochum zu holen.
Natürlich lässt es sich die Sparkasse Bochum nicht nehmen, das Zusatzkonzert exklusiv zu vermarkten. Dabei konnten sich im Vorab erst die eigenen Mitarbeiter Karten reservieren, bevor der öffentliche Kartenverkauf über die Homepage der Sparkasse begann.
Da bereits PAYBACK als exklusiver Sponsor der gesamten Tour auftritt (siehe Datenbank), kommt der Sparkasse Bochum die Rolle des Nebensponsors zu. In diesem Fall dürfte jedoch klar sein, welchem Sponsor die Sympathien der glückseligen Bochumer gelten. Der Bezug zwischen Bochum, Grönemeyer und Sparkasse Bochum ist klar und leicht nachzuvollziehen. Ein Musterbeispiel von glaubhaftem Popsponsoring mit regionalem Bezug!

Labels: ,

 
 

 

 

 

 

 

Impressum
This page is powered by Blogger. Isn't yours?
2009 by Cornelius Ringe