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29 März 2008

Axe, Dr. Stay Dry und Dr. Watson

Die Blogosphäre ist wieder einmal wegen einem Branded Entertainment in Aufruhr. Kommt der Wolf im Schafspelz in den Hühnerstall, so ist das Gegaggere groß! :-)

Grund der Unruhe: Die Agentur Megacult hat für Axe den Rapper Dr. Stay Dry (wie sinnig) am Reißbrett entworfen, der mit einer dreisten Lügengeschichte dem Publikum als reale Person und Künstler verkauft wurde. Dabei handelt es sich eigentlich nur um eine schlechte Kopie des Outkast-Rappers André Lauren Benjamin, alias André 3000 (bzw. auch André Benjamin, Dre, Possum Jenkins, Dookie, Benjamin André oder Johnny Vulture).

Besonders heiß diskutiert wird dabei, dass das Musikvideo zu "Don`t Sweat That" bei Viva auf Rotation gelangte und momentan auf Platz 9 der VIVA DDP liegt. Aufgedeckt wurde der "Skandal" von Georg Krüger auf dem Magix-Blog und danach in diversen weiteren einschlägigen Blogs diskutiert (z.B. Werbelogger und off the record). Interessanter Weise gelangte Georg Krüger auch in Besitz des Treatments der Kampagne, in dem das zugrunde liegende Konzept erklärt wird.






Es ist übrigens nicht so, dass dies ein neues Phänomen ist. Siehe dazu folgende Beispiele aus pop.sponsoring.blog über Wella, Symantec oder Nivea.

Jetzt kommen einem natürlich so einige Fragen und an erster Stelle natürlich wieder einmal meine Lieblingsfrage: "Ja dürfen die denn das?"

  • Was ist eigentlich noch Kunst im Pop und was nicht?

  • Wo liegt der Unterschied zwischen Dr. Stay Dry und DSDS & Co? Ist nicht 95% der Radio Airplays aus der Retorte?

  • Sind Musikvideos nicht in gewisser Weise Werbespots für die Produkte von gewinnorientierten Künstlern?

  • Wer glaubt eigentlich noch, dass die Rotationen der Musiksender rein redaktionell entschieden werden?

  • Wer glaubt eigentlich noch die Künstlerbiografien die uns die Musikwirtschaft in den Pressemitteilungen mitteilt?

  • Gibt es einen Grund der Werbung zu glauben?

  • Was ist Unterhaltung und gibt es ein Gesetzt, was vorschreibt, wer Unterhaltung machen darf?

  • Wo liegen die Grenzen zwischen Schleichwerbung, Branded Entertainment und dem modernen Musikbusiness?

Insgesamt ist das kein schönes Bild, weil man hier eine Fratze der Werbung zu Gesicht bekommt, die nicht sein muss (vgl. Oliviero Toscani: Die Werbung ist ein lächelndes Aas). Man sieht, wie knallhart eine Zielgruppe hinters Licht geführt wird (oder wird sie es vielleicht Dank Blogs und Presse doch nicht?). Es kommen hierbei drei weitere Fragen auf:

  • Ist das nicht bereits das, was die meisten mit Werbung unmittelbar verbinden und daher den Werbeargumenten nicht mehr trauen, dafür aber von Werbung unterhalten werden wollen?

  • Kommt es bei Branded Entertainment auf Glaubwürdigkeit an oder ist in diesem Fall vielleicht nur Unterhaltung, was zählt?

  • Kann das der Marke Axe tatsächlich schaden oder wurde das von der Agentur vielleicht sogar extra so kalkuliert? Schließlich ist die Marke bereits mehrfach mit provozierender Werbung aufgefallen.

Im letzten Fall wäre die ganze Aufregung rechtschaffener Blogger ironischer Weise sogar eine hilfreiche Schützenhilfe. Denn eines ist klar: mit Beiträgen wie diesem hat Axe jetzt die gewünschte Aufmerksamkeit und unter Umständen zahlt die ganze Kampagne kräftig auf das freche Image von Axe ein. Werbung kann hier sehr unberechenbar sein!

Die finale Frage lautet also: wurde hier tatsächlich ein ungeplanter Skandal "aufgedeckt" und wie kam das Treatment in die Öffentlichkeit? Normaler Weise wäre das für den betreffenden Mitarbeiter ein Kündigungsgrund.

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26 März 2008

Bundesrapkonferenz mit Steinbrück

Yo Digga, Steinbrück is in da house! Seit Kurzem bekommt Aggro Berlin starke Konkurrenz vom Bundesministerium der Finanzen. Ganz offiziell darf man sich jetzt über unseren Bundesfinanzminister Peer Steinbrück lustig machen und sich auf i-love-cash.de seinen eigenen Finanzrap vom "RapPeer" mixen.

Ach ja, und "der Hamster" ist auch mit dabei!


Die Aktion stammt aus der Feder der PR-Agentur artegic, die sich damit beim Pressereferat des Ministeriums für ein abgeschlossenes Projekt bedanken wollte. Was angeblich anfangs nur ein interner Gag sein sollte, stieß auf großes Gefallen und wurde jetzt der Öffentlichkeit im Netz präsentiert. Steinbrück soll laut gelacht haben, als er sich zum ersten Mal als Rapper gesehen hat.

Die Seite wurde innerhalb von 48 Stunden über 2 Mio. mal besucht.

Fett krass, Alter, was geht?





Weitere Infos dazu auf:

Spiegel
FTD
Bild
n-tv

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18 März 2008

Krisenmanagement a la Hip-Hop

Was macht man eigentlich, wenn man Sponsor von Ferris MC ist?

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02 November 2007

Scion: Imagewechsel von Hip-Hop auf Rock?

Die u.s.-amerikanische Jugendmarke Scion von Toyota war bisher immer ein Paradebeispiel, wie sich eine Automobilmarke komplett mit einem einzigen Musikgenre identifizieren kann. Scion setzte zu 100% auf Hip-Hop, um somit die Mehrzahl der 18-29-jährigen Amerikaner zu erreichen (siehe auch hier). Fast konnte man von Scion schon als ein Hip-Hop Label sprechen (was sie ja auch tatsächlich betreiben).

Jetzt kooperiert Scion auf einmal mit der very british Alternative-Rockband Snow Patrol. US-Hip-Hop und alternative-Rock aus Glasgow? - Ja dürfen die denn das? Punkrock bzw. Alternative Rock ist wohl heute auch nicht mehr das, was es früher mal zu sein schien. Mit Aussagen zu ihrer Musik in Werbespots, wie z.B. die von Gitarrist Nathan Connolly: "As long as they pay us, it's pretty great", dürfte jedenfalls klar sein, dass auch die angeblich authentischere Rockmusik kein Problem mit Kommerz mehr hat.

Offenbar ist die (zusätzliche) Neuausrichtung von Scion in Richtung Rock eine Reaktion auf den 30-prozentigen Umsatzrückgang letzen Jahres (Zielgruppenerweiterung). Zudem ist ja seit einiger Zeit auch in den USA Rock wieder massiv auf dem Vormarsch, während die besten Jahre des Hip-Hop vielleicht schon vorbei sind. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die Hip-Hop-Automarke zukünftig entwickeln wird. Mit Snow Patrol gewinnt sie zumindest auch musikalisch an Potential für den europäischen Markt.


Weitere Information zum Thema finden Sie auch in der Publikation "Popstars für Marken" aus Bronner, K. / Hirt, R. (Hrsg.): Audio-Branding: Entwicklung, Anwendung, Wirkung akustischer Identitäten in Werbung, Medien und Gesellschaft

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