Massen-Testimonial: DJ Ötzi und sein Publikum (!) werben für MAOAM: "Was wollt ihr denn?"
"Heeeeey Baaaaby, uh - ah..." "Ich bin so schön, ich bin so toll..." "Was wollt ihr denn? MAOAM, MAOAM,..."
Bildquelle: obs/HARIBO GmbH & Co. KG
DJ Ötzi und sein Live-Publikum (!) werben für MAOAM. Meines Wissens wirbt hier zum ersten Mal ein ganzes Konzertpublikum in einem Werbespot für ein Produkt. Eine Art kollektives Massen-Testimonial! Rekordverdächtig!
Was für eine umstrittene aber dafür auch interessante Kampagne! MAOAM ist für mich ein fester Bestandteil schönster Kindheitserinnerungen an eine heile Welt. Ich möchte mich an dieser Stelle nun nicht darüber auslassen, welchen Einfluss diese Kampagne auf mein semantisches MAOAM-Netz hat. Faszinierend ist nur, dass hier ganz offenbar das Publikum begeistert mitgemacht hat ? oder hatten sie etwa eine Wahl? Die Adaption der legendären MAOAM-Spots wurde während einem Live-Konzert von DJ Ötzi aufgezeichnet. Man muss sich das vielleicht so vorstellen, dass das Publikum zuvor gefragt wurde: "Wir drehen jetzt kurz einen Werbespot für MAOAM. Dabei wollen wir euch auch filmen. Wer nicht mitmachen will soll jetzt bitte kurz die Halle verlassen".
Na, wie dem auch sei. Sie haben offenbar alle gerne mitgemacht. Geht es hier doch schließlich um ein Sympathie-Produkt und die Möglichkeit seinem Star/Idol, DJ Ötzi, helfen zu dürfen. Hierzu muss man sein Publikum sehr gut kennen, das kann auch schief gehen. Dies ist nicht mit jedem Publikum bzw. für jedes Produkt zu machen.
Insofern ist dies ein Pluspunkt für MAOAM, die ich immer noch liebe - eine rein emotionale Angelegenheit natürlich (versteht sich) - trotz dieser Kampagne.
Programmtipp: Radio Sputnik - Popkult - Musik in der Werbung
Heute Abend (27.11.2008) zwischen 19 und 22 Uhr geht es in der Radiosendung Popkult um Musik in der Werbung. Hierbei wird auch auf die Frage eingegangen, warum man immer häufiger seine Lieblingskünstler in Werbespots hört und sieht.
In dem TV-Spot zur neuen Crosspromotion Kampagne "Zero Zero 7" von Coca-Cola und dem neuen (22.) James Bond Streifen "Quantum of Solace" wird eine Coke Zero Flasche im klassischen James-Bond Design in Szene gesetzt. Natürlich alles in den Corporate Colors von Coca-Cola. Doch was wäre James Bond ohne seine coole Musik? Die kommt in diesem Fall direkt aus dem Soundtrack zu "Quantum of Solace" und wurde vom White Stripes Frontman Jack White komponiert (bitte nicht mit dem deutschen Schlagerproduzenten verwechseln).
Man fragt sich hierbei natürlich, wie es zu so etwas kommen kann. Insbesondere, da White ansonsten offenbar keine Berührungsängste mit Werbung - retrospektiv mit Coca-Cola-Werbung - hat: 2006 produzierte er die Musik "Love is the Truth" für den Coca-Cola Spot "What goes around". Geht es hier White wirklich um hohe künstlerische Ansprüche oder doch eher um pekuniäre Aspekte der Rechteverwertung?
Coca-Cola Spot "What goes around":
Es ist davon auszugehen, dass sich die James Bond Produktionsfirma Eon (nicht zu verwechseln mit dem Energiekonzern) umfangreiche Nutzungsrechte für den Titelsong des neuen Films gesichert hat, was logischer Weise auch die Synchronisationsrechte für Werbespots beinhaltet. Coca-Cola hat sich bei Eon wiederum für mehrere Millionen Pfund als Werbepartner eingekauft, so dass die Crosspromotion Kampagne exakt das ist, was man von ihr erwartet: Werbung für den neuen James Bond Film UND natürlich Werbung für Coke Zero. Andererseits müssen in der Regel die Werbetreibenden die Art und Weise, wie die betreffende Musik in ihrer Werbung verwendet wird, immer genau mit dem Künstler/Musikverlag absprechen, um die Lizenz zu erhalten. Da das Management keine weiteren juristischen Maßnahmen ankündigte, sondern in einer Presseauskunft nur die Enttäuschung von Mr. White zum Ausdruck brachte, ist auch davon auszugehen, dass in den Lizenzverträgen auch die Nutzung für Crosspromotion klar geregelt wurde. Hat hier das Künstlermanagement nicht genau aufgepasst? Jedenfalls ist es doch etwas uncool, wenn man sich als Künstler zuerst auf Kooperationen dieses Ausmaßes einlässt, um den Werbepartnern (in diesem Fall sowohl Eon als auch Coca-Cola) später in der Öffentlichkeit in den Rücken zu fallen. Ist Jack White noch ein zuverlässiger Partner für Werbetreibende? Ist er als Künstler noch glaubwürdig?
Ja dürfen die denn das? Und wieder einmal wird zur Diskussion gestellt, ob man musikalische kulturelle Werte, wie z.B. die Songs der Beatles, für Werbezwecke verkaufen darf:
Jetzt wird also richtig Kasse gemacht! Unter anderem muss auch wieder "All You Need Is Love" für Werbung herhalten. Die Procter & Gamble Marke "Luvs" verwendet den Song mit der sinnigen Textänderung ("All You Need Is Luvs") um Windeln zu verkaufen.
Ich persönlich finde ja, dass das sogar ganz gut zu den kleinen süßen Babypopöchen passt. :-)
Na ja, das passt ja dann auch wieder zum Thema Windeln! Wirklich schade ist eigentlich nur, dass Luvs offenbar so viel Geld für die Lizenzen ausgegeben hat, dass es später nicht mehr für eine ordentliche Musikproduktion reichte. Was für ein trauriger Vergleich mit dem Original!