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10 Juli 2009

Wahre Künstler - Ware Künstler

09 Oktober 2008

Gorny zeigt's: Die Musikwirtschaft kommt vom alten Denken nicht los

Es ist Popkomm-Zeit und so stellt die Musikindustrie wieder einmal gebetsmühlenartig ihre veralteten Themen auf die Agenda. Für besonders kontroverses Echo sorgen dabei die neuesten Verlautbarungen des Viva-Gründers und derzeitigen Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny. Er schlägt vor, dass man für Raubkopierer ein Punktesystem nach dem Flensburger-Modell einrichten solle. Wer eine bestimme Anzahl an Punkten erreicht hat, dem soll das Internet abgestellt werden:

" 'Ein Bestrafungssystem wie die Punkteliste in Flensburg wäre denkbar', sagt Gorny. 'Wenn der User illegale Handlungen im Internet vornimmt, soll er dafür Punkte bekommen und ab einer gewissen Anzahl ist dann beispielsweise die Bandbreite reduziert, oder das Internet zu Hause wird für drei Monate gesperrt.' Für dieses System sollten sich Politik, Internetprovider und Musikindustrie an einen Tisch setzen. So aber alle Nutzer, die illegal Musik runterladen zu bestrafen, ist illusorisch. Das weiß auch Dieter Gorny: 'Das ist als Abschreckung gedacht, natürlich kann man nicht alle damit erreichen. Es gibt ja auch immer noch Leute, die trotz Strafen betrunken Autofahren.' "

Bei solchen Vorschlägen ist es schwierig sachlich zu bleiben. Allerdings kann man hier einschlägige Leserkommentare lesen, die insgesamt einen klaren Tenor haben.

Hier nur einige meiner Fragen:
  • Internetprovider sind Privatunternehmen, warum sollten sie ihren Kunden die Verbindung kappen? Wer würde den Internetprovidern die Umsatzausfälle ersetzten? Wir leben in keinem totalitärem Staat!
  • Wie sieht es bei Familien oder WGs aus, in denen eine Person illegal Musik runterlädt? Soll es nach Gorny hier zu einer modernen Form der Sippenhaftung kommen?
  • Wie sieht es bei Raupkopieren aus, die sich die Musik illegal am Firmenrechner runterladen? Der Firma das Internet kappen?
  • Wie soll sich das mit dem Grundgesetz vereinbaren lassen? Auf welcher rechtlichen Grundlage sollte man jemanden den Zugang zum Internet verbieten können?
  • Ein Schuss aus der Hüfte zur Popkommeröffnung?

Es wird schnell deutlich, dass man den Internetzugang nicht mit einem Führerschein vergleichen kann. Die Fahrerlaubnis ist ein Verwaltungsakt. Sie stellt eine behördliche Genehmigung zum Führen von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen dar. Somit kann diese Genehmigung im Gegensatz zum Internet auch von behördlicher Seite unter bestimmten Umständen wieder entzogen werden. Beim Internetzugang ist das aber eine ganz andere Sachlage.

Gornys Ansatz ist wieder einmal ein Beleg dafür, dass die veralteten Paradigmen der Musikwirtschaft der 1990er immer noch nicht über Bord geworfen wurden. Anstatt sich auf neue Geschäftsmodelle zu konzentrieren und somit neue Erlösquellen zu sichern wird immer noch die aussichtslose Jagd auf Raubkopierer betrieben.

Eines noch zum Schluss: es ist klar, dass ich Raubkopierer in keiner Weise moralisch unterstützen will. Es geht viel mehr um intelligente Lösungen für die großen Herausforderungen im Musikgeschäft.

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11 Oktober 2007

Kostenlos: Werbefinanzierte Music On Demand

Man GEHT nicht mehr ins Internet, man IST im Internet. Selbstverständlich ist heute jeder Computer mit einem Breitbandzugang online. Es wird nicht lange dauern, bis dies auch für sämtliche mobilen Geräte gilt (mobil online - ist widersprüchlich und klingt etwas nach meinem Hund: da muss man sich wohl noch mal nach einer besseren Wortfindung umsehen). Sobald man für eine günstige Flatrate einen breitbandigen, mobilen Internetzugang haben kann, wird es wohl zu einer weiteren Revolution bezüglich des Musikkonsums kommen:

  • Die Schallplatte ersetzt die Musikkapelle,
  • die CD die Schallplatte,
  • das mp3 die CD
  • und der Music Stream das mp3.

Warum sollte man sich die Mühe der Archivierung und Pflege einer eigenen mp3-Sammlung antun, wenn man jederzeit kostenlos den gewünschten Song bzw. die gewünschte Playlist per Music Stream hören bzw. sehen kann?
Erste Ansätze waren personalisierte Online-Radios, wie z.B. pandora.com (jetzt nur noch für alle, die eine US-IP haben oder vortäuschen können) oder lastfm.de (sehr empfehlenswert). Weitere Entwicklungsschritte sind imeem.com und vor allem deezer.com.

Letzteres ist der weltweit erste kostenlose, werbefinanzierte Music On Demand Service: hier kann man gezielt Songs suchen und per Stream anhören. Dazu kann man sich auch eigene Playlisten erstellen und natürlich auch mit Gleichgesinnten austauschen (Web 2.0 Social Music Community).
Nach ersten rechtlichen Anfangsschwierigkeiten mit Musikverwertungsgesellschaften und Major Labels hat Deezer nun einen Vertrag mit der französischen Musikverwertungsgesellschaft SACEM abgeschlossen. Ein weiterer Deal wurde soeben mit Sony BMG besiegelt. Es ist zu erwarten, dass der Rest der Majors nachziehen wird und somit bald ein riesiges kostenloses Streamangebot bestehen wird. Bereits jetzt stehen 165.000 Songs aus dem Sony-BMG-Katalog zum kostenlosen Anhören zur Verfügung.
Momentan gibt es offenbar noch Kapazitätsprobleme: die Streams stottern. Aber dies sollte sich schnell beheben lassen. Ein weiteres Manko: noch ist der mobile Music Stream nicht massenfähig, entsprechend macht der Service bis jetzt nur stationär Sinn. Aber auch das wird sich in Kürze ändern.

Bezahlt wird, wie gesagt, alles von den Werbeeinahmen. Das Musiklabel der Zukunft wird wohl zum großen Teil Aggregator von Musikinhalten und Distributor von Werbeeinnahmen sein.

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31 Juli 2007

Die Marke Madonna


Madonna, bekannt als material girl, ist nicht nur eine Ikone der Popkultur, sie ist auch eine der stärksten Marken im Pop-Business. Da sie nun an ihrem voraussichtlich letzten Album für die Warner Music Group arbeitet werden immer mehr Details über ihre zukünftigen Geschäftspläne bekannt.
Bei Megastars, wie Madonna, geht der Trend zunehmend zur ganzheitlich geführten Künstlermarke. Mit anderen Worten: alles zentral aus einer Hand! (Vgl. Blogbeitrag: Plattenlabels ohne Platten)
Bisher waren die unterschiedlichsten Unternehmen für den Erlös eines Künstlers zuständig. Im Wesentlichen waren dies Plattenlabel, Musikverlag, Konzertveranstalter und Merchandising-Unternehmen. Hinzu kommen, je nach Portfolio des Künstlers, diverse weitere Subunternehmen wie z.B. ein separater Vertrieb, eine separate Promotion-Firma, eine Werbe- oder Sponsoring-Agentur, und das teilweise auch noch in vielen Ländern unterschiedlich besetzt.
Für potenzielle Kooperationspartner besteht auch heute noch ein Dschungel der Ansprechpartner und deren Kompetenzen. Wer hat wie, wo und warum was zu sagen und über welche Rechte verfügt er überhaupt? Kein Wunder also, wenn z.B. das Sportsponsoring viel professionalisierter als das Popsponsoring abläuft. Hier sind die Wege viel kürzer! Für Werbetreibende ist diese komplexe Gewirr der Musikwirtschaft mit einer gewissen Trägheit ("Tut mir leid, für diesen Song brauchen wir noch die Zustimmung des Komponisten, der sich aber leider gerade auf einem Selbstfindungstrip zu Fuß durch die Kalahari befindet") und latenten Unsicherheit/Risiken verbunden.
Madonna plant nun offenbar genau das, was die Plattenlabels fürchten und was sich die Kooperationspartner aus der Wirtschaft wünschen: Madonna als unabhängige und ganzheitlich aufgestellte Marke, ein Unternehmen und ein Ansprechpartner für alle Fragen.
Eigentlich genau das, was jeder Künstler einmal ganz am Anfang war, bevor er "entdeckt" wurde. Es ist aber auch klar, dass sich dieses Geschäftsmodell nur die leisten können, die einst durch die herkömmliche Musikwirtschaft groß gemacht wurden.

Foto: HansVdb

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